Niemand ist eine Insel… Alles, was ein Individuum tut, beeinflusst auch seine Umwelt bzw. sein Umfeld in erheblichem Maß – und umgekehrt. Diese komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen aufzudecken und „auseinanderzudröseln“ ist eine mitunter ebenso komplexe Angelegenheit – der systemische Ansatz zeichnet sich daher durch eine ganzheitliche Betrachtung und eine Art „Netzwerkdenken“ aus.  Dieses systemische Denken – und daraus folgend auch das systemische Coaching bzw die systemische Beratung – ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, zugrundeliegende Mechanismen zu erkennen und passgenaue Lösungen zu entwickeln. Denn oft findet sich die Lösung für eine bestimmte Frage bereits in einem anderen System…

In unserem Artikel über die Coaching-Spielregeln haben wir schon die wesentlichen Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für Coaching im Allgemeinen beschrieben. In diesem Artikel wollen wir uns nun näher ansehen, was es mit systemischen Coaching auf sich hat.
Auch hier geht es um die Lösungsfindung und Begleitung des Klienten zum Verwirklichen dieser Lösungen, aber dazu wird auch das Umfeld bzw ein neuer Kontext miteinbezogen.

Was ist systemisches Coaching? Was tut ein systemischer Coach?

Ein systemischer Coach wird mit dem Coachee ein weiteres Lebensumfeld miteinbeziehen, da er weiß, dass Probleme und Herausforderungen niemals völlig isoliert von dessen Umfeld existieren. Wir sind soziale Wesen und leben und wachsen mit und durch unsere Beziehungen.

Egal ob es sich um das System Familie, Freundschaft oder Arbeit handelt, all diese Systeme haben positive und auch weniger förderliche Auswirkungen auf unseren Alltag. Daher ist es sinnvoll, diese auch in die Lösungsfindung miteinzubeziehen.

Im systemischen NLP werfen wir dafür einen Blick unter anderem auf folgende Bereiche bzw. Fragestellungen in Bezug auf eine Problemsituation:

  • Umfeld und Ökologie
    Wer genau ist beim Problem beteiligt?
    Wer genau ist bei der Lösungsfindung beteiligt?
    Wie sieht die Umgebung aus?
    Welche Auswirkung hat mein Ziel auf mein Umfeld?
  • Ressourcen und Unterstützung
    Welche Menschen können mich bei der Lösungsfindung und Umsetzung unterstützen?
    Welche Menschen könnten mich behindern?
    Auf welche Rollenmodelle oder Vorbilder kann ich zurückgreifen?
    Wie sieht es mit meinen materiellen Ressourcen aus?
  • Rolle und Identität
    Was denke ich über mich?
    Was glaube ich, dass andere über mich denken?
    Welche Rolle spielt meine aktuelle Position (z.B. im Beruf oder in der Familie)?
    Wie wird sich diese Position durch meinen Lösungsansatz verändern?

Interne und externe Systeme im Coaching

Wichtig beim systemischen Ansatz im Coaching ist zu wissen, dass Systeme eine Eigendynamik aufweisen, d.h. auch ein System kann – wie ein Mensch –  durch fehlgeleitete Umgangsformen und mangelnde produktive Lösungsstrategien „erkranken“. Die Dynamik eines Systems zu erkennen, hilft dabei, Anpassungen vorzunehmen um zum erwünschten Ziel zu kommen.

Oft hilft es auch, für ein bestimmtes Anliegen das Blickfeld zu erweitern und Anleihen in anderen Systemen zu nehmen. Angenommen, ein Coachee möchte meine Grenzen besser wahren und „Nein“ sagen lernen. Dann kann ein genauerer Blick in seine verschiedenen Systeme offenbaren, dass er im Beruf und in der Familie nicht alle Aufgaben übernimmt, die an ihn herangetragen werden – nur im Verein oder bei einer bestimmten Person fällt ihm das Absagen immer wieder schwer. Im systemischen Coaching ist das mal grundsätzlich Grund zur Freude: „Nein“ sagen kann der Klient ja bereits. Jetzt geht es nur mehr darum, Strategien zu finden, wie die Fähigkeit aus dem einen System in das andere übertragen werden kann.

Neben den offensichtlichen äußeren Systemen treffen wir aber auch in uns selbst auf Persönlichkeits-Anteile, die es wert sind, systemisch betrachtet zu werden. Nicht immer stehen alle dieser Persönlichkeits-Anteile hinter einem erklärten Coaching Ziel. Wenn sich der Coachee zum Beispiel für einen Jobwechsel ausspricht, aber innerlich in ihm ein Anteil besteht, der Angst vor Veränderung hat, dann kann dieser den ganzen Prozess verhindern oder erschweren. Ein systemischer Coach wird daher nicht nur auf die wesentlichen äußeren Einflussfaktoren achten, sondern auch das innere Zusammenspiel an Persönlichkeits-Anteilen, widersprüchlichen Glaubenssätzen und Emotionen miteinbeziehen.

Aufstellungsarbeit und Gruppen-Coaching

Das Thema „systemisches Coaching“ wäre aber nicht vollständig, wenn wir nicht auch einen Blick auf systemische Abläufe innerhalb des Coachings bzw. Coaching-Setups werfen würden. Ja, auch das Coaching selbst bewegt sich innerhalb eines Systems – auch beim Einzelcoaching bilden Coach und Coachee ein System. Besonders aber in Gruppen Settings oder bei der Aufstellungsarbeit. Dabei werden ganz gezielt die Beziehungsverhältnisse und deren Auswirkungen von den Teilnehmern in den unterschiedlichen Rollen eingenommen. Dadurch wird auch ganz konkret trainiert, eine Metaposition einzunehmen, um tiefere Einblicke in ein systemisches Umfeld zu erhalten.

Für wen ist systemisches Coaching geeignet?

Da es sich beim systemischen Coaching eher um eine Grundhaltung des Coaches handelt, ist es so gut wie in allen Lebenssituationen einsetzbar. Besonders im Einsatz im Unternehmensbereich bzw. Business-Coaching erfreut sich systemisches Coaching steigender Beliebtheit, um Zusammenhänge und Konfliktpotentiale innerhalb von Unternehmens-Strukturen zu beleuchten (z.B. durch Systemaufstellungen).

Die Ausbildung zu/r Dipl. Systemischen Coach beinhaltet bei uns auch den NLP Practitioner und der systemische Ansatz fließt auch in unsere Ausbildung zu/r Dipl. Lebens- und Sozialberater/in mit ein. Im LSB-Lehrgang ist übrigens auch die gesamte Ausbildung zum Dipl. Systemischen Coach integriert – so schlägst du 2 (in unserem Fall sogar 5 – mehr dazu auf unseren Infoseiten) Fliegen mit einer Klappe :-).