Burnout ist kein neues Thema. Laut Statistik der ARGE Burnout sind über 1 Mio Arbeitnehmer in Österreich Burnout gefährdet – rund die Hälfte sogar aktiv davon betroffen. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Präventionsprogrammen, vor allem weil Burnout auch ein volkswirtschaftlicher Faktor ist. Sowohl die Krankenkassen als auch die öffentliche Hand sind daher an Präventionsmaßnahmen interessiert.
Leider bleibt es dabei nur oft bei oberflächigen Aktionen, die die Burnout Statistik aufbessern (z.B. die gesetzlich vorgeschriebene „Evaluierung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz“) und sich primär um die Zahlen statt um die Menschen dahinter zu kümmern scheinen.

Daher suchen immer mehr von Burnout betroffene Menschen Unterstützung bei Lebens- und Sozialberatern, Coaches oder Psychotherapeuten. Welche Ansätze gibt es nun für den Weg aus dem Burnout und worauf ist beim Coaching von Burnout-Klienten zu achten?

Resilienz – der goldene Weg aus dem Burnout?

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Burnout immer wieder fällt – insbesondere im Kontext von Coaching oder Therapie von Burnout-Betroffenen – ist der der Resilienz. Unter Resilienz versteht man die psychische Widerstandskraft. Sie ist so etwas wie das Immunsystem der Psyche.
Resiliente Menschen stehen nach Niederschlägen rascher wieder auf, kennen ihre Grenzen und ziehen positive Rückschlüsse aus Schicksalsschlägen für ihr weiteres Leben. Das Sprichwort „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!“ beschreibt das allgemeine Verständnis von Resilienz sehr gut.
Die Fähigkeit, sich trotz widriger Lebensumstände positiv zu entwickeln und gesund zu bleiben, ist durchaus sehr erstrebenswert.
Insbesondere in der Prävention von Burnout ist es daher wichtig, Resilienz zu entwickeln, damit einem dann im Krisenfall diese Fähigkeiten zur Verfügung stehen.

Ein Coach wird dabei unter anderem bei folgenden Fragen zur Seite stehen:

  • Was sind Signale für eine Überlastung?
  • Woran erkenne ich eine „Negativspirale“?
  • Wo liegen meine Grenzen?
  • Was sind meine Energiequellen?
  • Wer sind meine Freunde und meine tragfähigen Beziehungen?
  • Welche Prioritäten habe ich im Leben?
  • Wie sieht es mit meinem Zeitmanagement aus?
  • Kenne ich meine Blockaden und Bremser?
  • Kann ich auch mal „Nein“ sagen?
  • Welche Ziele habe ich beruflich und privat?
  • Wie steht es um mein Selbstbewusstsein und meine Zufriedenheit?
  • Welche lösungsfokussierten Möglichkeiten habe ich, wenn es mal zu einer Überlastung kommt?
  • Wie kann ich meine Widerstandsfähigkeit stärken und diese konkret leben?

Das Ziel im Burnout Coaching ist nicht, „immer positiv zu denken“, sondern die Fähigkeit zu entwickeln, auch in einer Krise das Positive nicht aus dem Auge zu verlieren. Viktor Frankl, der berühmte Psychotherapeut und Holocaust-Überlebende, meinte dazu: „Wie oft sind es erst die Ruinen, die den Blick freigeben auf den Himmel.“
Psychologen sprechen hier auch von „posttraumatischem Wachstum“, also der Fähigkeit, selbst aus einem Trauma etwas Positives zu ziehen.
Auch jede gute Helden-Sage lebt schlussendlich von einer Niederlage und dem danach gestärkten Wiederaufstehen des Helden.
Die oben angesprochenen Fragen sind dabei wesentliche Faktoren, um nicht in einer Opfer-Rolle hängen zu bleiben.

Die Schattenseite der Resilienz-Bewegung

Es lohnt sich aber auch, auf möglichen Schattenseiten der beliebten Resilienz-Theorie zu blicken. Schließlich wird besonders die „Stehaufmännchen-Qualität“ der Resilienz immer öfter fast schon vorausgesetzt. Und Sprüche wie „Niederfallen, aufstehen und Krone richten!“ sind einerseits ein toller Motivator – andererseits können sie manchmal durchaus auch schon wieder Druck erzeugen. Schnell wird dann das Thema Resilienz zum „Muss“:„Abhärtung“, stärker und widerstandsfähiger werden, widrige Lebensumstände aushalten und zur persönlichen Entwicklung nutzen ist dann einfach nur mehr ein Frage des persönlichen Willens, Stichwort: „Man muss nur wollen“.
„Wer nicht resilient ist, der ist einfach nur ein Schwächling!“ – und damit (vermeintlich) nicht stark genug für das Arbeitsleben, heißt es dann etwa. Dieser Lesart folgend wird Resilienz daher zu einem neuen Ziel, das es zu erreichen gilt. So werden die durchwegs positiven Errungenschaften der Resilienz in den Dienst der Leistungsgesellschaft gestellt, die überhaupt erst zum Burnout geführt hat…

Damit Resilienz also nicht zu einem weiteren Ziel wird, das uns näher ans Burnout bringt oder weiter in das Burnout hinein führt, sollte beim Coaching darauf geachtet werden, dem Coachee auch folgende Ressourcen zur Seite zu stellen:

  • Die Fähigkeit, sich Auszeiten gönnen
    Widerstandsfähige Menschen wissen über die Wichtigkeit von Pausen Bescheid. In diesen Auszeiten steigerst du auch deine Fähigkeiten zur kreative Lösungsfindung. Wie das konkret aussehen kann, haben wir bereits in einem Artikel über kreative Pausen beschrieben.
  • Die Fähigkeit, zur inneren Ruhe zu finden
    Es ist schwierig, in Krisen innere Ruhe zu finden, wenn wir diese nicht schon „in guten Zeiten“ trainieren. Wir empfehlen dazu unseren Artikel, wie du zu innerer Ruhe findest – dies gilt eben nicht nur für Berater und Coaches, sondern auch für Klienten.
  • Die Fähigkeit, um Unterstützung zu bitten
    Dies hängt eng mit dem oben angesprochenen Thema des „die eigenen Grenzen kennen“ zusammen – geht aber noch einen Schritt weiter. Wenn ich meine Grenzen kenne und mir diese eingestehe, gelingt es mir eher (und im besten Fall sogar schon frühzeitig), andere um Hilfe zu bitten. Auch, wenn ich es vielleicht „eh noch irgendwie“ selbst schaffe… Begleitet ein Lebens- oder Sozialberater bzw ein Coach diesen Prozess, fällt das um Hilfe bitten können oft leichter.
  • Die Fähigkeit, Hilfe annehmen zu können
    Danach (und auch dann, wenn andere Menschen von sich aus Unterstützung anbieten) brauche ich auch noch die Fähigkeit, diese Hilfe annehmen zu können. Also konkret zu werden, Zeit und Ort und Tätigkeit vereinbaren, „Ja, bitte, nämlich xxx“ zu sagen, wenn Leute fragen, ob sie irgendwie helfen können – und das dann auch guten Gewissens geschehen lassen. Diese Schritte können in einem Burnout Coaching gut geübt werden.
  • Die Fähigkeit, Veränderung zulassen zu können
    „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort.
    Wie wir mit Veränderung in unserem Leben umgehen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren beginnend in der frühen Kindheit ab, aber es kann – wie Resilienz – eben auch verändert, umgelernt und trainiert werden. Auch dies könnte unter Umständen ein Ziel des Burnout Coachings sein.
  • Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen
    Ein Zeichen von Burnout und dem Gefangensein in einer Opferrolle ist der scheinbare Mangel an Optionen und Entscheidungsmöglichkeiten. Allerdings ist es so, dass wir uns oft selbst – vor allem, wenn es uns an Entscheidungsfähigkeit mangelt – unsere Wahlmöglichkeiten einschränken. Manchmal entscheiden wir so lange nicht, bis nur mehr ein enger Spielraum übrig bleibt. Dann sagen wir: „Ich hatte ja keine andere Wahl!“ und übersehen die vielen Schritte zuvor, wo wir genug Optionen hatten und diese nicht genutzt haben. Beim Erlernen der Fähigkeit, früher schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen – und auch in scheinbar auswegslosen Situationen noch mehrere Wahlmöglichkeiten zu sehen – ist ein Coach eine sehr gute Hilfe.

Dies soll nur ein erster Einstieg in das Thema Burnout Coaching und Resilienz-Training sein. Es gibt natürlich noch viele weitere nützliche Ansätze im Coaching mit Burnout Klienten, auf die wir gerne in zukünftigen Artikeln eingehen werden.