Coaching mit Pferden? Was soll das denn sein? Reiten, Polo, Voltigieren – da kann man sich noch was vorstellen – aber pferdegestütztes Coaching? Da wiehert das Tier dir dann was? Oder wirst du da zum Pferdeflüsterer?

Wer einmal die Chance hatte, ein professionell geleitetes pferdegestütztes Coaching mitzumachen, kann über solche Ideen nur lächeln. Schließlich ist alleine die Erfahrung, mit so einem großen Tier in der “Manege“ zu stehen und eigene Ängste und Unsicherheiten, aber auch innere Ruhe, Selbstsicherheit oder Führungsqualität ganz direkt gespiegelt und angezeigt zu bekommen, einzigartig.
Zusammen mit einem intensiven Setting, sinnvoller Übungsvorbereitung sowie professionellem Feedback und Transfer durch den menschlichen Coach oder Trainer erlebt der Coachee die Veränderungsansätze ganz unmittelbar. Und kann diese so leichter in den eigenen Alltag integrieren.

Beim il Institut gibt es ja schon lange die Möglichkeit, pferdegestütze Seminare, Trainings und Coachings zu besuchen – nun traben wir zum nächsten Schritt und nehmen auch die Ausbildung zum pferdegestützen Coach/Trainer in unser Lehrgangsangebot auf. Bevor wir auf die Voraussetzungen für pferdegestütztes Coaching (Horse-assisted Coaching/HAC) bzw. pferdegestütztes Training eingehen, schauen wir aber zuerst mal auf einige Punkte, die das Coaching mit Pferden so besonders machen:

Ehrlich, klar und authentisch

Pferden ist Herkunft, Status, Beruf oder Alter der Coachees egal – sie sind unvoreingenommen und interpretieren nicht. Pferde geben auf freundliche Art ein ehrliches Feedback im Coaching, was gepaart mit dem professionellen Feedback des Coaches einen großen zusätzlichen Nutzen darstellt.

An der frischen Luft und in Bewegung

Im Horse-assisted Coaching sind Coachees nicht eingeschränkt durch den Raum – unter freiem Himmel und in der Natur kommen erfahrungsgemäß oft die besten Ideen. Ob ein pferdegestütztes Coaching nun auf der Koppel oder vor Wind und Wetter geschützt in der Reithalle stattfindet: die Coachees können dabei ihren Gedanken freien Lauf lassen und zusätzlich am eigenen Leib erleben, wie es ist „voran zu kommen“.

Pferde hinterlassen Eindruck und reagieren auf Körpersprache

Die eindrucksvolle Wirkung des Pferdes berührt Menschen äußerlich und innerlich. Durch ihre Feinfühligkeit erkennen Pferde instinktiv die körpersprachlichen Signale des Klienten. Sie achten auf kleinste Körperbewegungen und reagieren darauf, ohne zu interpretieren. Dadurch spiegeln sie das Verhalten des Menschen wider.
Unsicherheiten und Nervosität, aber auch innere Ruhe und Gelassenheit übertragen sich auf das Pferd und geben dem Menschen so ein echtes Feedback.

Erlebnisorientiert

Pferdegestützte Coaching-Erlebnisse sind einzigartig und können aufgrund ihres hohen Erfahrungs- und Erlebnischarakters vom Gehirn besonders gut verarbeitet und langfristig abgespeichert werden. Ideen können gleich ausprobiert werden – das macht die Veränderungsprozesse besonders nachhaltig.

Nähe/Distanz und Führungsqualität

Pferde vermitteln ein angemessenes Gefühl für Nähe und Distanz. Im Umgang mit Tieren verhalten sich die meisten Menschen zudem eher persönlichkeits- als rollenorientiert, somit können Veränderungsprozesse auf einer tieferen Ebene angegangen werden.
Für Führungstrainings eignet sich Horse-assisted Training besonders gut, da Pferde instinktiv nach Führung suchen. Eine klare Führung war in der freien Wildbahn wichtig fürs Überleben. Haben sie sich der falschen Leitstute angeschlossen, so hatte dies fatale Folgen. Daher wählen Pferde Führungspersönlichkeiten mit Bedacht aus und stellen Anforderungen wie Souveränität, Gelassenheit und Authentizität.

Pferdegestütztes Coaching als wertvolles Zusatzangebot

Wenn wir als Ausbildungsinstitut neue Methoden und zusätzliche Ausbildungen anbieten, dann haben diese immer ein gewisses Etwas und bieten einen besondere Ergänzung für den Coaching-Methodenkoffer. Dies ist auch der Fall beim pferdegestützten CoachingTraining (Horse-assisted Coaching/HAC).
Menschen, die schon Erfahrung mit Pferden haben, können durch Einbeziehen von NLP und gezielten Coachingmethoden, die in der „Ausbildung zum pferdegestützten Coach/Trainer“ erlernt werden, ein wertvolles Zusatzangebot schaffen.

Um dies zu veranschaulichen folgt hier ein Fallbeispiel aus der pferdegestützten Coaching-Praxis:

Eine Klientin kam mit dem Thema, vor einer wichtigen Entscheidung zu stehen. Wie sollte sie sie handeln? Wie sollte es weitergehen? Kaum hatte sie sich in den letzten Wochen für einen Weg entschieden, schwenkte sie doch wieder um.
Zu Beginn des Coachings durfte (bzw. musste 🙂) sie auch hier eine Entscheidung treffen: Mit welchem Pferd wollte sie arbeiten? Die Klientin wählte Luzia, unsere feinfühlige Haflingerstute. Nach einer Phase des Kennenlernens und Vertrautmachens mit der Stute klärten wir, worum es genau ging und etablierten entsprechende Bodenanker an unterschiedlichen Plätzen in der Reithalle.
Am ersten Bodenanker ging es um die Möglichkeit weiterzustudieren. Unter Anleitung des Coaches tauchte die Klientin in die zukünftige Situation ein (mit Hilfe von Vakog). Luzia war währenddessen unruhig, schlug mit dem Schweif, als ob Fliegen auf ihr wären, und fühlte sich sichtlich unwohl. Unsicherheiten, Nervosität, aber auch innere Ruhe und Gelassenheit übertragen sich auf das Pferd und geben dem Menschen so ein echtes Feedback.
Am zweiten Bodenanker ging es um die Situation, sich drei Monate eine Auszeit zu nehmen und zu reisen und danach zu sehen, wie es weitergehen sollte. Luzia stand regungslos da, wirkte desinteressiert, fast verschlafen. Pferde achten auf kleinste Körperbewegungen und reagieren darauf, ohne zu interpretieren. Dadurch spiegeln sie das Verhalten des Menschen wider.
Beim dritten Bodenanker ging es um die Variante, gleich arbeiten zu gehen und die schlummernden Ideen umzusetzen. Luzia begann im Laufe des Gesprächs freudig zu scharren, wälzte sich genau auf dem Bodenanker (Metaplankärtchen), stand auf, schüttelte sich und stupste die Klientin munter an. Diese lachte und meinte, dass es wohl tatsächlich Zeit wäre, all das Gelernte und die Ideen umzusetzen. Konzentriert erarbeiteten wir dann konkrete Ziele, überlegten Strategien und bearbeiteten einschränkende Glaubenssätze.
Auf neuen Bodenankern wurde die Zukunft visualisiert, lösungsorientierte Fragen gestellt und so mancher Glaubenssatz aufgelöst bzw. durch einen neuen, positiven ersetzt. Luzia spiegelte währenddessen die unbewusste Körperhaltung und die „Energie“ sowie “Dynamik“ der Klientin und zeigte dadurch passende Lösungswege deutlich an. So konnte die Klientin mit einer klaren Entscheidung, konkreten Strategien zur Zielerreichung und gestärkt durch ihr “Probehandeln” die während des Coachings erworbene Zuversicht auch in ihren Alltag transferieren.

Wenn du bereits erste Erfahrungen mit Pferden gemacht hast und diese mit professionellen Coachingmethoden kombinieren möchtest, so ist die Ausbildung zum pferdegestützten Coach/Trainer die erste Wahl, um dich auf diese besondere Arbeit und das Coaching mit Pferden zu spezialisieren.
Bei uns am il-Institut findet die Ausbildung in einem kleinen Rahmen an intensiven 2 x 4 Tagen statt und lässt sich danach sowohl im pferdeunterstützten Einzelcoaching als auch mit Gruppen und Familien, im Lerntraining sowie für Unternehmen einsetzen.