Von Thomas Weinberger · Oktober 2026 · ca. 12 Min. Lesezeit · Titelbild: KI-generiert
Kennst du das?
Du hast dich gut vorbereitet. Der Input ist fachlich sauber, die Folien sind aufgeräumt, die Übung ist durchdacht. Und trotzdem springt der Funke nicht über. Ein Teil der Gruppe schaut höflich, aber unbeteiligt – man spürt die unausgesprochene Frage: „Was hat das mit mir zu tun?“ Ein anderer Teil wird unruhig, weil er endlich ausprobieren will, statt zuzuhören. Und am Ende, beim Feedback, sagt jemand: „War interessant. Ich weiß nur nicht, wie ich das bei mir umsetzen soll.“
Meistens liegt das nicht am Inhalt und auch nicht an der Gruppe. Es liegt an der Reihenfolge. Der Input hat eine Frage beantwortet, die noch niemand gestellt hatte, und eine andere, die alle hatten, blieb offen.
Die 4MAT-Methode macht diese Fragen sichtbar. Sie ist ein einfaches Raster, mit dem du jede Lerneinheit planen kannst – vom zehnminütigen Input bis zum ganzen Seminartag.
Gutes Lernen beantwortet vier Fragen, und zwar in dieser Reihenfolge: Warum? Was? Wie? Was wäre, wenn?
4MAT (gesprochen „For-Mat“) geht auf die US-amerikanische Pädagogin Bernice McCarthy zurück. Sie hat die Methode Ende der 1970er-Jahre entwickelt, aufbauend auf dem Lernzyklus des Psychologen David Kolb.
Die Kernaussage: Menschen lernen nachhaltig, wenn sie einen persönlichen Bezug herstellen, Neues verstehen, es selbst ausprobieren und auf ihr eigenes Leben übertragen. Wer eine dieser vier Stationen auslässt, verliert unterwegs Menschen.
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Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- Welches Problem löst die Methode?
- Woher kommt die Methode?
- So gehst du vor
- Die il Modellgrafik
- Wo du die Methode einsetzen kannst
- So arbeiten wir bei il damit
- Dein 5-Minuten-Selbstexperiment
- Grenzen & Kritik
- Nicht verwechseln mit dem Lernzyklus nach Kolb
- 3 Dinge, die du mitnehmen solltest
- Eine Frage zum Weiterdenken
- Quellen & Forschungsstand
- Über den Autor
Welches Problem löst die Methode?
Wer Wissen vermittelt, ist meist selbst vom Fach. Und genau das ist die Falle: Für Expert:innen ist klar, warum ein Thema wichtig ist. Also springen sie direkt ins „Was“ – Definitionen, Modelle, Fakten. Danach folgt vielleicht noch eine Übung, und dann ist die Zeit um.
Dabei fehlen gleich zwei Dinge. Am Anfang fehlt der Grund, sich überhaupt auf das Thema einzulassen. Und am Ende fehlt die Brücke in den eigenen Alltag. Beides ist kein Luxus. Ohne Warum hören Menschen nur mit halbem Ohr zu. Ohne Was-wäre-wenn bleibt das Gelernte im Seminarraum zurück.
4MAT beantwortet eine Frage, die sich alle stellen, die mit Menschen arbeiten: Wie baue ich eine Lerneinheit so auf, dass sie nicht nur informiert, sondern etwas verändert?
Woher kommt die Methode?
Bernice McCarthy war Lehrerin und beschäftigte sich in den 1970er-Jahren mit der Frage, warum manche Schüler:innen im Unterricht aufblühen und andere verstummen. Sie stieß dabei auf die Arbeiten des Psychologen David Kolb.
Kolb beschreibt Lernen als Kreislauf: Wir machen eine Erfahrung, denken darüber nach, bilden daraus Begriffe und Regeln und probieren sie wieder aus – woraus neue Erfahrungen entstehen. Er stützte sich dabei unter anderem auf den Philosophen und Pädagogen John Dewey, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts betonte, dass Menschen aus Erfahrung lernen, wenn sie darüber nachdenken.
McCarthy machte aus diesem Lernkreislauf ein Werkzeug zur Unterrichtsplanung. 1980 veröffentlichte sie „The 4MAT System“ und gründete ein Unternehmen, das Lehrkräfte in der Methode schulte. Später erweiterte sie gemeinsam mit Dennis McCarthy die Methode auf Trainings in Organisationen.
Ursprünglich verband McCarthy die vier Stationen mit vier Lerntypen und mit der Arbeitsweise der beiden Gehirnhälften. Beides sehen wir heute kritisch, mehr dazu unter „Grenzen & Kritik“. Der Kern der Methode braucht diese Begründungen nicht.
So gehst du vor
4MAT teilt jede Lerneinheit in vier Abschnitte, die sogenannten Quadranten. Jeder beantwortet eine Frage, die sich Lernende stellen. Die Reihenfolge ist dabei kein Detail: Erst wenn eine Frage beantwortet ist, sind Menschen für die nächste offen.
McCarthy unterteilt jeden Quadranten noch einmal in zwei Schritte. Insgesamt sind es also acht. Für die Planung im Alltag reichen meist die vier Fragen.
Die Beispiele unten stammen alle aus einer Einheit zum Thema „Feedback geben“.
1Warum? Den Bezug herstellen
Was bedeutet das?Bevor Menschen etwas Neues aufnehmen, brauchen sie einen Grund. Im ersten Quadranten verbinden sie das Thema mit ihrer eigenen Erfahrung. Es geht nicht darum, Lernziele vorzulesen, sondern darum, dass die Relevanz spürbar wird. McCarthy nennt zwei Schritte: eine Erfahrung ermöglichen (Verbinden) und gemeinsam darauf schauen, was daran auffällt (Hinschauen).
Woran erkennst du es?Menschen erzählen eigene Beispiele, nicken, widersprechen. Die Energie im Raum steigt, weil es um sie geht.
Beispiel:„Denk an ein Feedback, das du nie vergessen hast – im Guten oder im Schlechten. Was hat es so wirksam gemacht?“ Zwei Minuten zu zweit, danach sammeln.
2Was? Wissen aufbauen
Was bedeutet das?Jetzt ist die Gruppe bereit für Inhalt: Modelle, Fakten, Zusammenhänge, Fachwissen. Hier ist der klassische Input zu Hause. McCarthys zwei Schritte: zuerst ein Bild oder eine Metapher, die die Erfahrung aus Quadrant 1 mit dem neuen Wissen verbindet (Vorstellen), dann der eigentliche Fachinput (Informieren). Damit dieser Teil ankommt, lohnt ein Blick auf die Cognitive Load Theory: Weniger auf einmal ist hier oft mehr.
Woran erkennst du es?Es gibt Verständnisfragen, Menschen schreiben mit, stellen Bezüge her: „Ah, deshalb hat das damals funktioniert.“
Beispiel:Die gesammelten Erfahrungen werden zu einem Modell für Feedback verdichtet: Beobachtung, Wirkung, Wunsch. Die Beispiele der Gruppe kommen im Input wieder vor.
3Wie? Ausprobieren und üben
Was bedeutet das?Wissen wird erst zur Fähigkeit, wenn man es selbst anwendet. Im dritten Quadranten üben die Teilnehmenden – zuerst angeleitet (Üben), dann mit eigenen Fällen und Variationen (Erweitern). Fehler sind hier ausdrücklich erwünscht, solange es noch geschützt ist.
Woran erkennst du es?Es wird lauter und lebendiger. Fragen werden praktischer: „Und was, wenn mein Gegenüber sofort abblockt?“
Beispiel:In Dreiergruppen gibt eine Person Feedback zu einer vorgegebenen Situation, eine nimmt es an, eine beobachtet. Danach eine zweite Runde mit einer Situation aus dem eigenen Arbeitsalltag.
4Was wäre, wenn? Übertragen und weiterdenken
Was bedeutet das?Im letzten Quadranten nehmen die Lernenden das Gelernte in ihren eigenen Alltag mit. Wo werde ich das einsetzen? Was passe ich an? Wo stößt es an Grenzen? McCarthys Schritte: das Gelernte prüfen und anpassen (Verfeinern) und es in die eigene Praxis bringen oder anderen zeigen (Umsetzen). Dieser Quadrant fehlt in Seminarkonzepten am häufigsten – oder er wird mit der Reflexion der Übung verwechselt.
Woran erkennst du es?Die Fragen richten sich nicht mehr auf die Übung, sondern auf den Montag danach. Menschen formulieren eigene Vorhaben.
Beispiel:„Wem wirst du in den nächsten zwei Wochen ein Feedback geben, das du bisher aufgeschoben hast? Was wird dein erster Satz sein?“ Jede:r notiert ein konkretes Vorhaben.
Muss jede Einheit alle vier Quadranten haben?
Im Grundsatz ja, aber nicht mechanisch und nicht mit gleichem Gewicht. Ein Warum kann aus einer einzigen guten Frage bestehen. Ein Was-wäre-wenn kann der Schluss eines ganzen Seminartags sein. Und Elemente wie Begrüßung, Wiederholung oder ein Blitzlicht zum Abschluss müssen gar keinem Quadranten zugeordnet werden. 4MAT ist ein Raster zum Prüfen, kein Formular zum Ausfüllen.
Die il Modellgrafik
Wenn du dir nur eine Grafik merkst, dann diese: Jede Lerneinheit beginnt beim Warum und endet im Alltag der Menschen – dazwischen liegen Wissen und Üben.
Wo du die Methode einsetzen kannst
Training & Pädagogik
Hier ist 4MAT zu Hause. Ein Beispiel:
Elena (erfundenes Beispiel) ist Fachtrainerin und gestaltet für Teamleiter:innen eine 90-minütige Einheit zum Thema Delegieren.
Ohne 4MAT: Elena beginnt mit einer Definition und den fünf Stufen des Delegierens. Danach stellt sie eine Checkliste für Übergabegespräche vor. Nach 50 Minuten Input folgt ein Rollenspiel, die Auswertung dreht sich darum, wie es in der Übung gelaufen ist. Dann ist die Zeit um. Die Rückmeldung: „Gute Unterlagen.“ Drei Wochen später delegiert kaum jemand anders als vorher.
Mit 4MAT: Elena beginnt mit einer Frage: „Welche Aufgabe machst du immer noch selbst, obwohl du weißt, dass sie jemand anderer übernehmen könnte – und was hält dich davon ab?“ Die Antworten sind ehrlich und überraschend ähnlich: Zeitdruck, Perfektionismus, schlechte Erfahrungen. Erst dann folgt ein kurzer Input zu den Stufen des Delegierens, und Elena greift die genannten Bremsen darin auf. Im Rollenspiel arbeiten alle an einer Aufgabe aus ihrem eigenen Team. Die letzten 15 Minuten gehören der Frage: „Welche Aufgabe gibst du nächste Woche ab, an wen, und wie beginnst du das Gespräch?“
Der Inhalt ist fast derselbe. Was sich geändert hat, ist der Weg dorthin – und dass er im Alltag der Teilnehmenden endet.
Coaching
Auch eine Coaching-Sitzung folgt oft dem 4MAT-Bogen: Worum geht es dir und warum gerade jetzt? Was steckt dahinter? Wie könntest du es angehen? Und was wäre, wenn du es tatsächlich tust? Wer merkt, dass eine Sitzung im „Was“ steckenbleibt – viel Analyse, wenig Bewegung –, kann gezielt in den nächsten Quadranten wechseln.
Führung & Organisation
Veränderungen scheitern selten am Was, oft am fehlenden Warum. Wer eine neue Arbeitsweise einführt, gewinnt viel, wenn er zuerst die Erfahrungen des Teams aufgreift, bevor er Abläufe erklärt. Und eine Teambesprechung endet besser mit „Was heißt das für dich ab morgen?“ als mit „Gibt es noch Fragen?“.
Alltag
Ob du einem Kind das Radfahren beibringst oder einer Kollegin eine neue Software zeigst: Warum lohnt sich das? Wie funktioniert es? Probier es selbst! Und was machst du, wenn es mal anders läuft? Die vier Fragen tragen auch ohne Seminarraum.
So arbeiten wir bei il damit
4MAT ist eine der Grundhaltungen, mit denen wir bei il Lernen gestalten. Es ist nicht unser einziges Werkzeug, aber eine Denkweise, die in fast allen unseren Seminaren und Trainings mitläuft – vom einzelnen Input bis zum ganzen Lehrgang. Ein ganzer Seminartag ist für uns oft ein einziger großer 4MAT-Bogen: am Vormittag eher verstehen, am Nachmittag eher anwenden und übertragen.
In unserer Trainerausbildung ist 4MAT deshalb ein fester Bestandteil des Seminardesigns. Die Teilnehmenden entwickeln ein eigenes Seminarkonzept, und wir schauen gemeinsam darauf, ob es die vier Fragen trägt. Dabei begegnen uns immer wieder dieselben Stolpersteine:
Das Warum fehlt oder versteckt sich im Was. Ein Satz wie „Heute geht es um Konflikte, weil Konflikte im Berufsalltag häufig sind“ ist eine Begründung, aber kein Warum. Ein Warum entsteht erst, wenn die Teilnehmenden ihren eigenen Bezug zum Thema spüren.
Das Was-wäre-wenn verschmilzt mit der Übungsreflexion. „Wie ist es dir in der Übung gegangen?“ gehört noch zum Wie. Unsere Prüffrage: Zielt die Frage auf die Übung oder auf den Alltag der Teilnehmenden? Erst die zweite Art öffnet den vierten Quadranten.
Alles wird in Quadranten gepresst. Ein Einstieg zum Ankommen, eine Wiederholung am Morgen oder eine Abschlussrunde dürfen für sich stehen. Wer sie zwanghaft einem Quadranten zuordnet, macht das Konzept komplizierter, nicht besser.
Viel Was, wenig Wie. Gerade wer sein Fach liebt, möchte viel davon weitergeben. Ein Blick auf die Zeitverteilung zwischen den Quadranten zeigt schnell, ob die Teilnehmenden genug Gelegenheit bekommen, selbst etwas zu tun.
Dein 5-Minuten-Selbstexperiment
Nimm ein Thema, das du demnächst jemandem erklären oder vermitteln wirst – in einem Seminar, einer Teambesprechung oder einem Gespräch.
Warum 1 Minute
Schreib eine Frage auf, mit der die anderen ihren eigenen Bezug zum Thema entdecken. Nicht: warum es dir wichtig ist.
Was 1 Minute
Notiere die drei wichtigsten Inhalte. Nur drei.
Wie 1 Minute
Überleg dir, wie die anderen das Neue selbst ausprobieren können – sei es auch nur für zwei Minuten.
Was wäre, wenn 2 Minuten
Formuliere eine Frage, die in den Alltag der anderen zeigt: Wann, wo und mit wem werden sie es anwenden?
Zum Nachdenken danach:
- Bei welchem Quadranten bist du ins Stocken gekommen? Was sagt das über deine bisherige Art, Wissen weiterzugeben?
- Welcher Quadrant hat in deiner ursprünglichen Planung die meiste Zeit bekommen?
- Wenn du nur einen Quadranten verstärken könntest: Welcher würde den größten Unterschied machen?
Grenzen & Kritik
4MAT ist in Schulen und in der Erwachsenenbildung weit verbreitet. Umso wichtiger ist ein nüchterner Blick darauf, was die Methode leisten kann und was nicht.
Die Lerntypen-Idee hält nicht. McCarthy ordnete den vier Quadranten ursprünglich vier Lerntypen zu: Menschen, die vor allem nach dem Warum fragen, andere, die vor allem das Was wollen, und so weiter. Daraus entstand die Annahme, dass Menschen besser lernen, wenn der Unterricht zu ihrem Typ passt. Für diese Annahme gibt es keine tragfähigen Belege (Pashler et al. 2008). Wir lesen 4MAT deshalb anders: Nicht jede:r braucht einen eigenen Quadranten – alle brauchen alle vier.
Die Gehirnhälften-Begründung ist überholt. In der ursprünglichen Fassung sollte jeder Quadrant abwechselnd die „rechte“ und die „linke“ Gehirnhälfte ansprechen. Die Vorstellung von rechts- und linkshirnigen Menschen gilt heute als Neuromythos (Nielsen et al. 2013). Das Prinzip, zwischen Erleben und Begreifen, Bild und Begriff abzuwechseln, bleibt trotzdem sinnvoll – es braucht nur keine Gehirnhälften als Begründung.
Die Studienlage ist dünn. Es gibt viele Studien, die 4MAT-Unterricht mit herkömmlichem Unterricht vergleichen, die meisten an Schulen. Sie berichten überwiegend positive Effekte auf Lernleistung und Einstellung. Allerdings sind es meist kleine Studien ohne zufällige Zuteilung, und die Ergebnisse schwanken stark (Ahmad & Umate 2018). Zudem ist schwer zu sagen, ob die Wirkung von 4MAT selbst kommt oder einfach davon, dass der Unterricht aktiver und abwechslungsreicher wird. Für die Erwachsenenbildung gibt es kaum belastbare Untersuchungen.
Auch Kolbs Lernzyklus ist umstritten. Kolbs Modell ist eine einflussreiche Beschreibung, wie Lernen aus Erfahrung ablaufen kann. Ob Lernen tatsächlich immer in diesem Kreis verläuft und ob sich Lernstile zuverlässig messen lassen, wird seit Jahrzehnten kritisch diskutiert (Coffield et al. 2004).
Die Methode sagt wenig über Menschen. 4MAT strukturiert Inhalte. Beziehung, Gruppendynamik, Stimmung und Energie im Raum kommen darin kaum vor. Ein Seminar kann vier perfekte Quadranten haben und trotzdem nicht funktionieren.
Wie jedes Modell ist 4MAT eine Landkarte, nicht die Landschaft. Als Prüfraster für die eigene Planung ist es stark. Als starres Schema, das Menschen in Typen sortiert, schadet es eher.
Nicht verwechseln mit dem Lernzyklus nach Kolb
4MAT und Kolbs Lernzyklus werden oft in einem Atemzug genannt, manchmal sogar gleichgesetzt. Sie hängen eng zusammen, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Lernzyklus nach Kolb
David A. Kolb, 1984
Fragt: Wie lernen Menschen aus Erfahrung?
Steht für: Lernen als Kreislauf aus Erleben, Nachdenken, Begreifen und Ausprobieren.
Hilft bei: Verstehen, warum Erfahrung allein noch nicht klüger macht – erst das Nachdenken darüber.
4MAT
Bernice McCarthy, 1980
Fragt: In welcher Reihenfolge baue ich eine Lerneinheit auf?
Steht für: vier Fragen, die jede Einheit beantworten sollte – Warum, Was, Wie, Was wäre, wenn.
Hilft bei: Seminardesign, Präsentationen, Workshops, Einschulungen.
Der Unterschied in einem Satz: Kolb beschreibt, wie Lernen abläuft. 4MAT ist der Bauplan, der daraus für den Seminarraum entsteht.
3 Dinge, die du mitnehmen solltest
1
Jede Lerneinheit beantwortet vier Fragen: Warum? Was? Wie? Was wäre, wenn?
2
Die meisten Seminare beginnen zu spät beim Warum und enden zu früh vor dem Was-wäre-wenn.
3
Alle Menschen brauchen alle vier Quadranten – nicht jede:r einen eigenen.
Eine Frage zum Weiterdenken
Welche der vier Fragen überspringst du am liebsten, wenn du etwas erklärst – und wer bleibt dabei zurück?
Quellen & Forschungsstand
Forschungsstand: teilweise untersucht. Zahlreiche kleinere Studien, überwiegend an Schulen, berichten positive Effekte; die Ergebnisse schwanken stark, und für die Erwachsenenbildung fehlen belastbare Untersuchungen. Die ursprüngliche Begründung über Lerntypen und Gehirnhälften ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Primärliteratur
- McCarthy, B. (1980). The 4MAT System: Teaching to learning styles with right/left mode techniques. Excel.
- McCarthy, B. & McCarthy, D. (2005). Teaching around the 4MAT cycle: Designing instruction for diverse learners with diverse learning styles. Corwin.
- Kolb, D. A. (1984). Experiential learning: Experience as the source of learning and development. Prentice Hall.
Forschung und Kritik
- Ahmad, S. S. & Umate, B. A. (2018). Meta-analysis of four modes application technique on the academic achievement of students in science. African Journal of Science, Technology and Mathematics Education, 4(1), 45–52.
- Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D. & Bjork, R. (2008). Learning styles: Concepts and evidence. Psychological Science in the Public Interest, 9(3), 105–119.
- Coffield, F., Moseley, D., Hall, E. & Ecclestone, K. (2004). Learning styles and pedagogy in post-16 learning: A systematic and critical review. Learning and Skills Research Centre.
- Nielsen, J. A., Zielinski, B. A., Ferguson, M. A., Lainhart, J. E. & Anderson, J. S. (2013). An evaluation of the left-brain vs. right-brain hypothesis with resting state functional connectivity magnetic resonance imaging. PLoS ONE, 8(8), e71275. doi.org/10.1371/journal.pone.0071275
Über den Autor
Thomas Weinberger ist Geschäftsführer der il Aus- und Weiterbildung GmbH und selbst als Trainer tätig. Mit seinem Team bildet er Trainer:innen, Coaches und Supervisor:innen aus und beschäftigt sich damit, wie Wissen so vermittelt wird, dass es im Alltag wirkt.

