Thomas WeinbergerVon Thomas Weinberger · Oktober 2026 · ca. 12 Min. Lesezeit · Titelbild: KI-generiert

Kennst du das?

Du sitzt in einem Vortrag. Die Folie ist randvoll: vierzehn Zeilen Text, ein Diagramm, unten noch ein Zitat. Die Vortragende spricht – aber nicht über das, was du gerade liest. Also pendelst du: einen Satz hören, eine Zeile lesen, kurz aufs Diagramm schauen. Nach zwanzig Minuten hast du das Gefühl, viel gesehen zu haben. Was davon hängen geblieben ist? Erstaunlich wenig.

Vielleicht kennst du auch die andere Seite. Du bereitest selbst ein Seminar vor, das Thema ist umfangreich, und du packst alles auf die Folien, damit nichts fehlt. Das ist gut gemeint. Nur: Was auf der Folie steht, ist damit noch nicht im Kopf der Menschen, die vor dir sitzen.

Die Cognitive Load Theory erklärt, warum das so ist – und was du stattdessen tun kannst.

Cognitive Load Theory in 30 Sekunden

Wir lernen nicht mit dem, was wir zeigen, sondern mit dem, was gleichzeitig in unser Arbeitsgedächtnis passt.

Die Cognitive Load Theory – auf Deutsch „Theorie der kognitiven Belastung“ – geht auf den Bildungspsychologen John Sweller von der University of New South Wales in Sydney zurück. Er hat sie ab Ende der 1980er-Jahre gemeinsam mit Kolleg:innen entwickelt.

Ihre Kernaussage: Unser Arbeitsgedächtnis kann nur wenig gleichzeitig verarbeiten. Gutes Lernmaterial verschwendet diesen knappen Platz nicht, sondern hilft, aus neuen Informationen stabiles Wissen zu bauen.

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Folien & UnterlagenSeminardesignEinschulungErklären im Alltag

Modell #002 · Komplexität ●●○ · Forschungsstand: gut untersucht

Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
  1. Welches Problem löst das Modell?
  2. Woher kommt das Modell?
  3. So funktioniert es
  4. Die il Modellgrafik
  5. Wo du das Modell einsetzen kannst
  6. So arbeiten wir bei il damit
  7. Dein 5-Minuten-Selbstexperiment
  8. Grenzen & Kritik
  9. Nicht verwechseln mit erwünschten Erschwernissen
  10. 3 Dinge, die du mitnehmen solltest
  11. Eine Frage zum Weiterdenken
  12. Quellen & Forschungsstand
  13. Über den Autor

Welches Problem löst das Modell?

Wer Wissen vermittelt, kennt diesen Moment: Du hast alles erklärt, sorgfältig und vollständig – und trotzdem ist es nicht angekommen. Naheliegende Erklärungen sind schnell zur Hand: Die Gruppe war müde, nicht motiviert, hat nicht aufgepasst.

Die Cognitive Load Theory bietet eine andere Erklärung an, und sie ist für beide Seiten entlastend. Menschen können neue Informationen nicht unbegrenzt aufnehmen. Es gibt einen Engpass, und der liegt nicht im Willen, sondern in der Architektur unseres Denkens. Ob etwas verstanden wird, hängt deshalb oft weniger an den Lernenden als an der Art, wie der Stoff aufbereitet ist.

Damit verschiebt sich die Frage. Nicht mehr: „Wie bringe ich möglichst viel Inhalt unter?“ Sondern: „Wie viel muss jemand gleichzeitig denken, um das zu verstehen – und wie viel davon habe ich ihm unnötig aufgeladen?“

Woher kommt das Modell?

John Sweller beschäftigte sich in den 1980er-Jahren mit einer irritierenden Beobachtung: Lernende, die Mathematikaufgaben selbstständig lösten, fanden oft die richtige Lösung – lernten aber wenig daraus. Seine Erklärung, veröffentlicht 1988: Die Suche nach dem Lösungsweg beansprucht das Denken so stark, dass kaum Platz bleibt, das dahinterliegende Muster zu erkennen. Aus dieser Arbeit entstand eine der bekanntesten Empfehlungen der Theorie: Wer neu in einem Thema ist, lernt oft mehr aus einem durchgerechneten Lösungsbeispiel als aus einer weiteren Aufgabe.

1998 fassten Sweller, Jeroen van Merriënboer und Fred Paas die Theorie in einem viel zitierten Übersichtsartikel zusammen, 2019 zogen sie nach zwanzig Jahren Forschung Bilanz. Eng verwandt ist die Theorie des multimedialen Lernens von Richard Mayer, die auf ähnlichen Annahmen beruht und viele Gestaltungsempfehlungen teilt.

Ursprünglich ging es also um Unterricht in Mathematik und Technik, nicht um Folien. Die Grundidee lässt sich aber auf jede Situation übertragen, in der Menschen Neues verstehen sollen.

So funktioniert es

Im Zentrum steht ein Engpass: das Arbeitsgedächtnis. Wie viel hindurchmuss, entscheiden drei Dinge – der Stoff selbst, das, was jemand schon weiß, und die Art, wie du den Stoff aufbereitest. Die vier Bausteine haben dieselben Farben wie die il Modellgrafik weiter unten.

1Der Stoff – wie viel zusammenhängt

Was bedeutet das?Manche Inhalte sind an sich anspruchsvoller als andere, weil man viele Elemente gleichzeitig zusammendenken muss, um sie zu verstehen. Die Theorie nennt das „intrinsische Belastung“. Einzelne Vokabeln lassen sich nacheinander lernen. Ein Feedbackgespräch gut zu führen, verlangt dagegen, Beziehung, Inhalt, Timing und Wortwahl gleichzeitig im Blick zu haben. Den Stoff selbst kannst du nicht einfacher machen, ohne ihn zu verändern – du kannst ihn aber in Teile zerlegen und Schritt für Schritt aufbauen.

Woran erkennst du es?An Fragen wie: „Und wie hängt das jetzt mit dem von vorhin zusammen?“

Beispiel:Einzelne systemische Frageformen sind schnell erklärt. Sie im Gespräch passend auszuwählen, ist komplex – und braucht deshalb mehr Zeit und mehr Zwischenschritte.

2Das Langzeitgedächtnis – was schon da ist

Was bedeutet das?Das Langzeitgedächtnis ist riesig. Es speichert Wissensmuster, in der Fachsprache „Schemata“: Viele Einzelteile, die wir einmal verstanden haben, werden darin zu einer einzigen Einheit gebündelt. Deshalb denken erfahrene Menschen mit viel größeren Brocken als Einsteiger:innen. Das hat eine überraschende Folge, den Expertise-Umkehr-Effekt (Sweller und Kolleg:innen): Was Einsteiger:innen entlastet, kann Erfahrene belasten, weil sie eine ausführliche Anleitung mit ihrem eigenen Wissen abgleichen müssen. Durchgerechnete Lösungsbeispiele etwa wirken im Mittel deutlich – eine Meta-Analyse aus 43 Studien zum Mathematiklernen fand einen mittleren Vorteil (Barbieri et al. 2023). Aber eben nicht für alle und nicht für immer.

Woran erkennst du es?Die Erfahrenen in der Gruppe langweilen sich oder überspringen Schritte, während die Neuen noch daran hängen.

Beispiel:In der ersten Fahrstunde sind Kuppeln, Schalten, Blinken und Schulterblick vier getrennte Aufgaben. Ein Jahr später ist alles ein einziges Muster: „Abbiegen“. Genauso hilft ein Schritt-für-Schritt-Leitfaden beim ersten Feedbackgespräch – nach dem fünfzigsten bremst er. Unterstützung darf deshalb nach und nach weniger werden.

3Die Gestaltung – was zusätzlich Kraft kostet

Was bedeutet das?Alles, was Kopfarbeit kostet, aber nichts zum Verstehen beiträgt. Die Theorie nennt das „extrinsische Belastung“, und hier liegt der größte Hebel für alle, die Wissen aufbereiten. Gut untersucht sind zum Beispiel zwei Fallen: Wenn Zusammengehöriges getrennt steht – das Bild oben, die Erklärung unten –, muss der Kopf beides erst verbinden; eine Meta-Analyse fand einen großen Vorteil, wenn es beieinander steht (Ginns 2006). Und interessante Details, die vom Wesentlichen ablenken – die lustige Anekdote, das hübsche Stockfoto, die Zusatzstatistik –, verschlechterten das Lernen in einer Meta-Analyse aus 58 Studien im Mittel leicht bis mäßig (Sundararajan & Adesope 2020). Das Ziel ist dabei nicht null Anstrengung: Je weniger die Gestaltung verbraucht, desto mehr Platz bleibt fürs eigentliche Denken – vergleichen, Beispiele durchdenken, Neues mit Bekanntem verknüpfen.

Woran erkennst du es?Der Blick der Teilnehmenden springt über die Folie, sie suchen, statt zu verstehen, oder die Fragen drehen sich um Nebensächliches.

Beispiel:Ein Diagramm, dessen Legende in einem Kasten daneben steht, zwingt zum Hin- und Herschauen. Dasselbe Diagramm mit der Beschriftung direkt an den Linien ist sofort lesbar.

4Das Arbeitsgedächtnis – der Engpass

Was bedeutet das?Das Arbeitsgedächtnis ist der Teil unseres Denkens, in dem wir gerade etwas verarbeiten. Hier kommen Stoff, Vorwissen und Gestaltung zusammen – und es ist klein: Nach einer viel zitierten Übersicht des Gedächtnisforschers Nelson Cowan können wir etwa vier Einheiten gleichzeitig darin halten. Was durch diesen Engpass passt, kann im Langzeitgedächtnis zu stabilem Wissen werden. Was nicht hindurchpasst, geht verloren, so gut es gemeint war.

Woran erkennst du es?Menschen verlieren den Faden, fragen nach etwas, das du gerade gesagt hast, oder schreiben mit, statt zuzuhören.

Beispiel:Jemand erklärt dir den Weg: „Zweimal links, an der Ampel rechts, dann die dritte Einfahrt, beim Bäcker vorbei …“ Bei der zweiten Abzweigung bist du innerlich schon ausgestiegen.

Also lieber leere Folien?

Nein. Die Theorie sagt nicht „weniger ist immer besser“, sondern „alles, was nicht dem Verstehen dient, kostet“. Eine ganz leere Folie kann sogar schaden, denn Gesprochenes ist flüchtig: In Versuchen von Leahy und Sweller (2016) schnitten lange gesprochene Erklärungen schlechter ab als gleich lange Texte zum Lesen – wer zuhört, muss alles gleichzeitig im Kopf behalten. Wenn etwas komplex ist, braucht es einen sichtbaren Anker. Die Antwort auf die Frage aus dem Titel lautet also: nicht leer, sondern aufgeräumt.

Die il Modellgrafik

Cognitive Load Theory als Engpass: Stoff und Gestaltung fließen durch das Arbeitsgedächtnis mit ca. 4 Einheiten ins Langzeitgedächtnis; Vorwissen bündelt viele Teile zu einem. Nicht leer, sondern aufgeräumt.

Wenn du dir nur eine Grafik merkst, dann diese: Stoff und Gestaltung müssen durch denselben Engpass – was die Gestaltung nicht verbraucht, bleibt fürs Verstehen.

Wo du das Modell einsetzen kannst

Im Training und in der Pädagogik – ein Fallbeispiel

Hier ist die Theorie zu Hause. Sandra (ein erfundenes Beispiel) ist Fachtrainerin und bereitet einen Tag zum Thema Konfliktgespräche vor.

Ohne Modell baut sie 25 Folien mit je acht bis zwölf Punkten, damit wirklich alles drin ist. Im Seminar spricht sie frei, die Teilnehmenden lesen parallel mit und schreiben ab. Das Ablaufschema für das Gespräch kommt auf Folie 14 und ist zur Übung am Nachmittag längst weitergeklickt. In der Übung fragen viele: „Was waren noch mal die Schritte?“

Mit der Cognitive Load Theory fragt sich Sandra bei jeder Folie: Welcher eine Gedanke soll hier ankommen? Auf der Folie steht dieser Gedanke, dazu nur, was ihn stützt. Die Details wandern ins Handout, das sie nach dem Input austeilt. Die Erklärung steht direkt neben dem Bild, nicht darunter. Bevor die Gruppe übt, spielt Sandra ein Gespräch einmal vollständig vor – ein ausgearbeitetes Beispiel. Das Ablaufschema bleibt während der ganzen Übung sichtbar. Und weil zwei Teilnehmende schon viel Erfahrung haben, bekommen sie eine Variante ohne Leitfaden.

Der Inhalt ist derselbe. Was sich geändert hat, ist, wie viel davon die Teilnehmenden gleichzeitig tragen müssen.

Im Coaching

Wer überfordert ins Coaching kommt, hat oft ein volles Arbeitsgedächtnis. Hilfreich ist dann, eine Frage nach der anderen zu stellen, statt drei auf einmal, und Vereinbarungen auf einen nächsten Schritt zu begrenzen. Was wichtig ist, aber gerade nicht gebraucht wird, kann schriftlich mitgegeben werden – dann muss es nicht im Kopf bleiben.

In Führung und Organisation

Bei der Einschulung neuer Kolleg:innen ist „Schau einfach zu“ für den Kopf oft schwerer als eine kurze Checkliste plus ein vorgemachtes Beispiel. Und Veränderungen lassen sich leichter mittragen, wenn sie in Etappen erklärt werden statt in einer einzigen großen Präsentation.

Im Alltag

Ob du jemandem den Weg erklärst, eine App zeigst oder mit einem Kind Hausübungen machst: Ein Schritt zur Zeit, Zeigen statt Beschreiben und Weglassen, was gerade nicht gebraucht wird, helfen fast immer.

So arbeiten wir bei il damit

In der Trainer:innenausbildung begegnet uns immer wieder eine Überzeugung: Wer viel Wissen vermitteln muss, braucht viel auf der Folie. Je mehr draufsteht, desto vollständiger und professioneller wirkt es – so die Annahme.

Genau hier setzen wir an. Wir zeigen, dass die Aufbereitung deutlich mehr bewirkt als die Menge: Was ist das Wesentliche, und was kann gesprochen, gezeigt oder im Handout nachgelesen werden? Der typische Stolperstein ist dabei, das Weglassen als Verlust zu erleben, als würde man den Teilnehmenden etwas vorenthalten.

Und wir nehmen uns selbst beim Wort: Auch unsere eigene Wissensvermittlung und die grafische Unterstützung dazu bauen wir so auf, dass auf der Folie das Wesentliche steht.

Dein 5-Minuten-Selbstexperiment

Arbeitsblatt · eine Folie und ein Zettel5 Min.

Nimm dir eine Folie, die du bald wieder verwendest – aus einem Seminar, einem Vortrag oder einer Teambesprechung.

1

Zählen 1 Minute

Wie viele Elemente stehen darauf? Textzeilen, Bilder, Zahlen, Logos, Pfeile.

2

Markieren 1 Minute

Was müssten die Menschen lesen, während du sprichst? Was gehört zusammen, steht aber getrennt? Was ist Dekoration?

3

Verdichten 1 Minute

Formuliere den einen Satz, den diese Folie vermitteln soll.

4

Neu skizzieren und vergleichen 2 Minuten

Zeichne die Folie auf dem Zettel neu: nur dieser Satz und das, was ihn stützt. Leg dann beide Versionen nebeneinander – welche würdest du als Teilnehmer:in lieber sehen?

Zum Nachdenken danach:

  • Was hast du gestrichen – und für wen stand es dort? Für das Publikum oder als Absicherung für dich?
  • Wo gehört das Gestrichene stattdessen hin: ins Gesprochene, ins Handout, in eine spätere Einheit?
  • Für wen wäre die alte, volle Version trotzdem die richtige?

Grenzen & Kritik

Die Cognitive Load Theory gehört zu den einflussreichsten Theorien der Lehr- und Lernforschung. Gerade deshalb lohnt ein Blick auf ihre Schwachstellen.

Die Belastung ist schwer zu messen. Viele Studien fragen nach der empfundenen Anstrengung mit einer einzigen Frage oder schließen aus den Testergebnissen auf die Belastung zurück. Der Lernforscher Ton de Jong hat 2010 kritisiert, dass die Theorie dadurch fast jedes Ergebnis im Nachhinein erklären kann – und damit schwer zu widerlegen ist.

Die Bausteine sind in Bewegung. Ob die Anstrengung, die ins Lernen fließt, eine eigene Art von Belastung ist oder nicht, wird bis heute diskutiert.

Viele Befunde stammen aus dem Labor. Die Lernzeiten sind oft kurz, der Stoff stammt häufig aus Mathematik und Technik. Im echten Seminar kann man nachfragen, zurückblättern, sich Notizen machen. Wie gut sich die Ergebnisse auf Themen wie Haltung, Selbsterfahrung oder Beziehung übertragen lassen, ist wenig untersucht.

Sie ist eine Theorie über Material, nicht über Menschen. Motivation, Beziehung, Gruppendynamik und Gefühle spielen in ihr kaum eine Rolle. Eine Folie kann perfekt aufgeräumt sein, und das Seminar funktioniert trotzdem nicht.

Sie sagt nichts über „Lerntypen“. Dass Wort und Bild gemeinsam oft besser wirken, gilt für alle Menschen. Mehrere Sinneskanäle anzusprechen, ist deshalb sinnvoll – für die ganze Gruppe. Für die verbreitete Annahme dagegen, es gebe „visuelle“ oder „auditive Lerntypen“, für die man Material jeweils eigens aufbereiten müsse, fehlen tragfähige Belege (Pashler et al. 2008).

Wie jedes Modell ist die Cognitive Load Theory eine Landkarte, nicht die Landschaft. Sie zeigt zuverlässig, wo unnötige Hindernisse liegen. Den Weg gehen müssen die Menschen trotzdem selbst.

Nicht verwechseln mit erwünschten Erschwernissen

Auf den ersten Blick klingt es wie ein Widerspruch: Die eine Theorie sagt „mach es leichter“, die andere „mach es schwerer“. Beide haben recht – an unterschiedlichen Stellen.

Erwünschte Erschwernisse

Robert A. Bjork, 1994

Fragt: Was bleibt langfristig hängen?

Steht für: beim Üben und Erinnern bewusst Anstrengung einbauen – etwa sich selbst abfragen, statt noch einmal zu lesen

Hilft bei: Wiederholen, Festigen, Übertragen in die Praxis

Cognitive Load Theory

John Sweller, ab 1988

Fragt: Wie viel muss der Kopf gleichzeitig verarbeiten?

Steht für: unnötige Belastung durch die Gestaltung vermeiden

Hilft bei: Erklären, Folien, Unterlagen, erstem Kontakt mit neuem Stoff

Die Auflösung: Die Gestaltung darf leicht sein, das Denken soll anstrengend sein. Erst den Weg freiräumen – dann bewusst bergauf gehen.

3 Dinge, die du mitnehmen solltest

1

Der Engpass ist das Arbeitsgedächtnis, nicht die Folie.

2

Weglassen ist Gestalten: Alles, was nicht dem Verstehen dient, kostet Platz im Kopf.

3

Was Einsteiger:innen trägt, kann Erfahrene bremsen.

Eine Frage zum Weiterdenken

Was müssen die Menschen, mit denen du arbeitest, gerade gleichzeitig im Kopf behalten – und wie viel davon hast du ihnen dazugelegt?

Quellen & Forschungsstand

Forschungsstand: gut untersucht. Zu einzelnen Gestaltungsempfehlungen gibt es Meta-Analysen mit vielen Studien. Umstritten sind vor allem die Messung der Belastung und die Frage, wie viele Arten von Belastung es gibt.

Primärliteratur

  • Sweller, J. (1988). Cognitive load during problem solving: Effects on learning. Cognitive Science, 12(2), 257–285.
  • Sweller, J., van Merriënboer, J. J. G. & Paas, F. G. W. C. (1998). Cognitive architecture and instructional design. Educational Psychology Review, 10(3), 251–296. doi.org/10.1023/A:1022193728205
  • Sweller, J., van Merriënboer, J. J. G. & Paas, F. (2019). Cognitive architecture and instructional design: 20 years later. Educational Psychology Review, 31, 261–292. doi.org/10.1007/s10648-019-09465-5
  • Sweller, J., Ayres, P., Kalyuga, S. & Chandler, P. (2003). The expertise reversal effect. Educational Psychologist, 38(1), 23–31.
  • Sweller, J. (2010). Element interactivity and intrinsic, extraneous, and germane cognitive load. Educational Psychology Review, 22, 123–138. doi.org/10.1007/s10648-010-9128-5
  • Leahy, W. & Sweller, J. (2016). Cognitive load theory and the effects of transient information on the modality effect. Instructional Science, 44(1), 107–123. doi.org/10.1007/s11251-015-9362-9
  • Cowan, N. (2001). The magical number 4 in short-term memory: A reconsideration of mental storage capacity. Behavioral and Brain Sciences, 24(1), 87–114.
  • Bjork, R. A. (1994). Memory and metamemory considerations in the training of human beings. In J. Metcalfe & A. Shimamura (Hrsg.), Metacognition: Knowing about knowing (S. 185–205). MIT Press.

Meta-Analysen

  • Ginns, P. (2006). Integrating information: A meta-analysis of the spatial contiguity and temporal contiguity effects. Learning and Instruction, 16, 511–525.
  • Sundararajan, N. & Adesope, O. (2020). Keep it coherent: A meta-analysis of the seductive details effect. Educational Psychology Review, 32(3), 707–734. doi.org/10.1007/s10648-020-09522-4
  • Barbieri, C. A., Miller-Cotto, D., Clerjuste, S. N. & Chawla, K. (2023). A meta-analysis of the worked examples effect on mathematics performance. Educational Psychology Review, 35, Artikel 11. doi.org/10.1007/s10648-023-09745-1

Kritik und Einordnung

  • de Jong, T. (2010). Cognitive load theory, educational research, and instructional design: Some food for thought. Instructional Science, 38, 105–134. doi.org/10.1007/s11251-009-9110-0
  • Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D. & Bjork, R. (2008). Learning styles: Concepts and evidence. Psychological Science in the Public Interest, 9(3), 105–119.

Zum Weiterlesen

  • Sweller, J., Ayres, P. & Kalyuga, S. (2011). Cognitive load theory. Springer.
  • Mayer, R. E. (2021). Multimedia learning (3. Aufl.). Cambridge University Press.

Thomas Weinberger

Über den Autor

Thomas Weinberger ist Geschäftsführer der il Aus- und Weiterbildung GmbH und selbst als Trainer tätig. Mit seinem Team bildet er Trainer:innen, Coaches und Supervisor:innen aus und beschäftigt sich damit, wie Wissen so vermittelt wird, dass es im Alltag wirkt.